Gedenkfeier fr
Franziska Spiegel
am 04.11.2019
in Hcker-Aschen.
Informationen und Fotos: hier
Die Jdin Franziska Spiegel
Franziska Spiegel, geb. Goldschmidt, geboren am 06.05.1905 in Werl, ermordet in Hcker-Aschen am 04.11.1944.
Archiv: Gnter Ellenberg
Franziska Spiegel, geb. Goldschmidt, mit Eltern und Bruder, geboren am 06.05.1905 in Werl, ermordet in Hcker-Aschen am 04.11.1944.
Archiv: Gnter Ellenberg
Franziska Spiegel, geb. Goldschmidt, mit Eltern und Bruder, geboren am 06.05.1905 in Werl, ermordet in Hcker-Aschen am 04.11.1944.
Archiv: Gnter Ellenberg
Auch in dieser friedlichen, idyllischen Landschaft finden sich Spuren grausamer Geschichte. Der Mord an der jdischen Franziska Spiegel ist eines der schrecklichsten Ereignisse in unserer Region whrend der Zeit des Dritten Reiches.
Das Wohnhaus (rechts) der Familie Spiegel in Bnde-Werfen. Das Haus wurde Mitte der 1980er Jahre abgerissen und spter mit einem Reitstall berbaut.
Foto: Anette Kerschling
Die Wohnrume der Eheleute Spiegel befanden sich in einem Doppelkotten, in dem auf der einen Seite die Eheleute Spiegel mit ihrem Sohn Rolf und auf der anderen Seite die Eheleute Strauch wohnten.
Franziska Spiegel wurde am 06.05.1905 in Werl geboren. Am 04.11.1944 erschienen SS-Mnner in dem Kotten in Werfen, in dem Franziska Spiegel Unterschlupf gefunden hatte und zwangen die Jdin, in das nahe gelegene Hckerholz mitzukommen.
Hier tteten sie die wehrlose Franziska Spiegel durch einen Schuss in den Hals. Auf ihren Rcken war der Zettel ”Sie war Jdin” geheftet. Sie wurde ohne Gerichtsverfahren hingerichtet; ein im Kreis Herford einmaliger Fall.
Das Wohnhaus der Familie Spiegel in Bnde-Werfen.Das Haus wurde Mitte der 1980er Jahre abgerissen und spter mit einem Reitstall berbaut.
Foto: Dr. Nobert Sahrhage
Das Wohnhaus der Familie Spiegel in Bnde-Werfen. Das Haus wurde Mitte der 1980er Jahre abgerissen und spter mit einem Reitstall berbaut.
Foto: Dr. Norbert Sahrhage
Im Wald im Hintergrund wurde Franziska Spiegel erschossen.
Foto: Gnter Ellenberg
Filmausschnitte:
Szene aus dem Kurzfilm "Franziska Spiegel - Eine Erinnerung" (2005).
Der Film schildert auf einfhlsame Weise die wahre Geschichte der Franziska Spiegel.
© Horris Filmproduction Berlin
Szene aus dem Kurzfilm "Franziska Spiegel - Eine Erinnerung" (2005).
Der Film schildert auf einfhlsame Weise die wahre Geschichte der Franziska Spiegel.
© Horris Filmproduction Berlin
Szene aus dem Kurzfilm "Franziska Spiegel - Eine Erinnerung" (2005).
Der Film schildert auf einfhlsame Weise die wahre Geschichte der Franziska Spiegel.
© Horris Filmproduction Berlin
Szene aus dem Kurzfilm "Franziska Spiegel - Eine Erinnerung" (2005).
Der Film schildert auf einfhlsame Weise die wahre Geschichte der Franziska Spiegel.
© Horris Filmproduction Berlin
Dabei war sie mit ihrem “arischen” Ehemann Gottfried und dem gemeinsamen Sohn Rolf 1943 in die an Hcker-Aschen angrenzende lndliche Gemeinde Werfen gekommen in der Hoffnung, dem Holocaust zu entgehen, weil bereits zu diesem Zeitpunkt keine Jdinnen und Juden mehr aus der Stadt Bnde deportiert wurden. Sie hatte schon ihren Vater und Bruder verloren und war hufiger Schikanen und Verhaftungen ausgesetzt.
Ihre Leiche (die Gestapo verbot die Beisetzung auf einem Friedhof der umliegenden Gemeinden) wurde heimlich von ihrem Mann Gottfried und einem Helfer unter einer Gruppe von 3 Bumen an einem Grenzweg zwischen den Gemeinden Werfen und Ahle - in der Gemarkung “Paradies” - begraben.
Unter diesen Bumen wurde Franziska Spiegel in einer “Nacht und Nebel Aktion” heimlich von ihrem Ehemann Gottfried und einem Helfer bestattet.
Foto: Gnter Ellenberg
Im Oktober 1948 wurde Franziska Spiegel exhumiert. Sie fand ihre letzte Ruhe auf dem jdischen Nordfriedhof, Marienstrae 136, 32425 Minden. Auf dem Nordfriedhof befinden sich Kriegsgrber aus beiden Weltkriegen hier
Franziska Spiegel, geb. Goldschmidt, wurde am 6. Mai 1905 in Werl geboren. Im Jahre 1928 heiratete sie in Dortmund ihren Mann Gottfried Spiegel. Der Sohn Rolf wurde im Jahre 1930 geboren. Das Ehepaar lebte zunchst in Schleswig-Holstein, wo Gottfried Spiegel auf einem Gut arbeitete.
Nach der nationalsozialistischen “Machtergreifung” war die Familie Spiegel vielfltigen Schikanen ausgesetzt. Die Familie Spiegel war deshalb im Jahre 1943, als die Deportation der Juden aus Bnde bereits abgeschlossen war, in einen Kotten des Bauern Bscher nach Werfen gezogen (Gottfried Spiegel hatte Verwandte in Bnde). Die Familie Spiegel hoffte, in der Abgeschiedenheit der lndlichen Gemeinde Werfen d die Zeit der Verfolgung berleben zu knnen.
Vielleicht wre das Kalkl der Familie Spiegel aufgegangen, wenn nicht im Oktober 1944 grere Einheiten der “SS-Division Leibstandarte Adolf Hitler” zur Auffrischung in die Landkreise Lbbecke und Herford verlegt worden wren (Teile davon auch in den Bnder Raum).
Der “SS-Division Leibstandarte Adolf Hitler”, abgekrzt LSSAH, gehrten u.a. der bekannte Kabarettist Klaus Havenstein, der Journalist Theo M. Loch, der Sachbuchautor Wolfgang Venohr sowie der Politiker und Mitbegrnder der Partei der Republikaner, Franz Schnhuber, an.
Der Aufenthalt der SS-Division hat Niederschlag in verschiedenen Bchern gefunden. Hinweise auf das “Wirken” der SS-Division im Raum Bnde-Kirchlengern finden sich bei:
Depke, H., Heimat Kirchlengern in Wort und Bild, Bad Oeynhausen 1977, Seite 173 f.
Knig, Hertha, Hinter den Kulissen eines Lebens. Lebenserinnerungen, Bielefeld 2004, S. 119-127.
Nach dem Mord an Franziska Spiegel sind keine wirklichen Ermittlungen aufgenommen worden. Es handelte sich ja “nur” um eine Jdin. Vom 16. Januar 1945 datiert ein Schreiben der Gestapo Bielefeld an die Staatspolizeileitstelle in Mnster. Es handelte sich um einen kurzen Bericht ber die Auffindung der Leiche.
Dann folgen die Stze:
“Es besteht der dringende Verdacht, dass die SS-Mnner die Jdin erschossen haben.
Die hier durchgefhrten Ermittlungen nach den Ttern sind ergebnislos verlaufen.
Zur Zeit der Tat war die SS-Leibstandarte Adolf Hitler in der dortigen Gegend untergebracht.
Die Mrder vom Hckerholz sind am 19.11.1944 weiter in die Ardennen gezogen, um an der letzten Wehrmachts-Offensive teilzunehmen. Einer der beiden Spiegel-Mrder soll dabei umgekommen sein. Die Fhrung der Waffen-SS war zwischenzeitlich auf Gut Bckel in Rdinghausen untergebracht.
Die weiteren Ermittlungen werden von der Ortspolizeibehrde in Ennigloh durchgefhrt. Das Ermittlungsergebnis steht noch aus”.
Die vorstehenden Stze bedeuten im Klartext:
Die Gestapo Bielefeld hatte ihre Ermittlungen abgeschlossen. Die Fortfhrungen wurden jetzt dem Ortspolizisten in Ennigloh berlassen. Welche Chance dieser hatte, die Tter zu ermitteln, drfte wohl jedem klar sein.
Gottfried Spiegel berichtete spter, dass amerikanische Soldaten unmittelbar nach Kriegsende nach den Mrdern gesucht htten - diese Suche verlief ohne Erfolg.
Erst im Jahre 1948 wurden von der Bielefelder Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wieder aufgenommen. Aus der damals entstandenen Akte lassen sich die Umstnde des Mordes an Franziska Spiegel einigermaen sicher rekonstruieren; auch wenn immer noch Fragen offenbleiben.
SS-Mnner, die in Hunnebrock stationiert waren, wurden offenbar auf die in Werfen lebende Jdin aufmerksam gemacht (es gab seinerzeit Gerchte, der betreffende Denunziant sei der Hunnebrocker Ortsgruppenleiter Wilhelm Bscher gewesen. Ein Lehrer, der zuvor auch an der Volksschule in Lenzinghausen unterrichtet hatte.
Am Nachmittag des 4. November 1944 erschienen daraufhin drei SS-Mnner in der Wohnung der Spiegels.
Aus spteren Zeugenaussagen ergab sich, dass die SS-Mnner zuvor vor der Gastwirtschaft Fischer Halt gemacht hatten. Whrend zwei der Mnner bei ihren Fahrrdern auf der Strae stehen blieben, betrat einer das Gebude. Frau Fischer, die den SS-Mann zuerst sah, wurde von diesem gefragt, wo das Haus Werfen Nr. 5 sei und ob dort nicht eine Familie Spiegel wohne.
Auf Fragen der Ehefrau Fischer, ob ihm die Familie auch bekannt sei, erhielt sie zur Antwort: “Da werden wir aber gleich mit bekannt”.
Frau Fischer gab bei den Ermittlungen im Jahre 1948 zu Protokoll:
“Der Aussprache nach mssen es Ostlnder gewesen sein”.
Hinweis: Mit der Bezeichnung Ostlnder“ waren vermutlich sterreicher gemeint, denn sterreich wurde nach dem Anschluss“ an das Deutsche Reich im Jahre 1938 als Ostmark“ bezeichnet.
Bei der Wohnung der Eheleute Spiegel handelte es sich um einen Doppelkotten, in dem auf der einen Seite die Eheleute Spiegel und auf der anderen Seite die Eheleute Strauch wohnten.
Im Augenblick, als die SS-Mnner den Kotten betraten, standen beide Frauen, Frau Spiegel und Frau Strauch, auf der Deele. Ohne sich nher zu erkundigen, wurde die Ehefrau Spiegel gleich gefragt: “Sie sind doch die Ehefrau Spiegel, Sie mssen sofort mitkommen”. Etwas Schlimmes ahnend, mischte sich die Ehefrau Strauch ein. Kaltbltig wurde sie aber zurckgewiesen und mit der Ehefrau Spiegel verlie man daraufhin das Haus.
Zwei der Mnner zwangen Franziska Spiegel, in das nahe Hckerholz mitzukommen, das auf der Grenze zwischen den beiden Gemeinden Werfen (Amt Ennigloh) und Hcker-Aschen (Amt Spenge) liegt. Der dritte SS-Mann fuhr in eine andere Richtung weg.
Herr Strauch arbeitete auf dem Feld, als Franziska Spiegel weggefhrt wurde.
Frau Strauch berichtete dem Polizeibeamten im Jahre 1948:
“Wie mein Mann mir am gleichen Abend, als er von der Arbeit nach Hause gekommen war, erzhlte, htten die beiden SS-Mnner mit einer Frau auf dem Weg Richtung Hcker Moor gestanden. Einer sei dann auf ihn zugekommen und htte nach einem Spaten gefragt. Mein Mann hatte aber keinen Spaten bei sich. Dann htte er gesehen, dass ein SS-Mann, und zwar derjenige, der hinter der Frau hergegangen war, immer die Frau in die Hacken getreten habe”.
Im Hckerholz wurde Franziska Spiegel von einem der beiden SS-Mnner durch einen Schu in den Hals ermordet.
Der Ehemann Gottfried Spiegel erklrte bei der Zeugenvernehmung am 26. September 1948:
“Ich kam gegen 16:50 Uhr von meiner Arbeit nach Hause...
Man erklrte mir dann, dass meine Ehefrau von drei SS-Mnnern aus dem Hause geholt worden sei. Whrend zwei die Wohnung betreten htten, wre einer draussen stehen geblieben. Zwei SS-Mnner seien dann mit meiner Frau zum Hcker Moor gegangen. Die SS-Mnner htten sie unterwegs getreten und mit einem mitgefhrten Fahrrad gestossen...
Nachdem ich meinen Sohn zu meinen Eltern nach Bnde gebracht hatte, wandte ich mich an den Lehrer Bscher in Hunnebrock, dem damaligen Ortsgruppenleiter der NSDAP, da ich an demselben Tage einen Gestellungsbefehl fr den Volkssturm hatte. Bei Bscher wolle ich erwirken, beurlaubt zu werden. Bscher lehnte diesen Urlaub ab. Er meinte noch, ich solle froh sein, dass ich von meiner Ehefrau befreit sei. Ich msste mir darber klar sein, dass diese Eiterbeulen am deutschen Volkskrper doch ausgemerzt wrden, so oder so”.
(Hinweis: Angehrige der 6. Batterie des Artillerie-Regiments Nr. 1, die in der Hunnebrocker Schule einquartiert waren, wurden offenbar von einem Parteifunktionr auf die im Nachbarort Werfen lebende Franziska Spiegel aufmerksam gemacht. Es gab seinerzeit Gerchte, der betreffende Denunziant sei der Hunnebrocker Hauptlehrer und NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Bscher gewesen. Spuren der SS-Division finden sich in verschiedenen Schulchroniken. In der von Wilhelm Bscher seit 1937 gefhrten Chronik der Hunnebrocker Schule findet sich kein Hinweis auf die SS-Einheit, obgleich SS-Angehrige in der Schule untergebracht waren.
Wilhelm Bscher, geb. am 14.4.1894 in Aschen/Krs. Iburg, war am 1.5.1933 der NSDAP beigetreten (Mitglieds-Nr.: 2 467 631). Bscher, von Beruf Lehrer, war von 1943 bis 1945 Leiter der NSDAP-Ortsgruppe Hunnebrock. Von Kriegsende 1945 bis September 1947 befand sich Bscher im Internierungslager Staumhle Nhe der Ortschaft Hvelhof).
Die dann erst wieder im Jahre 1948/ 49 aufgenommenen Ermittlungen scheinen nicht sehr intensiv gewesen zu sein.
Der mit den Ermittlungen beauftragte Polizeibeamte gab sich (so ist mein Eindruck nach dem Studium der Ermittlungsakte) sehr rasch mit den Aussagen der befragten SS-Mnner und des Ortsgruppenleiters zufrieden. Er erklrte die Aussagen der Befragten fr glaubwrdig.
Gottfried Spiegel gab im Jahre 1948 dem ermittelnden Polizeibeamten noch folgende Information:
“Von dem Tode meiner Ehefrau an bis heute habe ich mich bemht, Licht in diese Angelegenheit zu bekommen. Es ist aber sehr schwierig, da alles schweigt.
Ich glaube aber, dass folgendes sehr wesentlich ist:
Ein Frl. Lisa Oberhaus, wohnhaft in Hunnebrock, in dem Hause des Schlossermeisters Klockenbring, hat mir im Oktober 1947 persnlich erzhlt, sie habe mit einem SS-Mann, der damals hier stationierten Einheit “Leibstandarte Adolf Hitler, 4. Bataillon” verkehrt. Dieser Mann selbst habe die Ermordung ausfhren sollen, habe es aber abgelehnt, weil er Katholik wre und er keinen Krieg gegen Frauen fhren wrde. Aufgrund seiner Befehlsverweigerung sei er gergt worden.
Dann habe man aber zwei jngere Kameraden zur Ausfhrung des Mordes bestimmt.
Die Anschrift des SS-Angehrigen, der seinerzeit mit der Oberhaus verkehrt hat und dieser vorstehendes erzhlt haben soll, ist angeblich Johann Knupfer, Mnzdorf, Kreis Mnzingen, bei Stuttgart. Knupfer soll SS-Unterscharfhrer gewesen sein”.
Daraufhin wurde ein Polizeibeamter aus dem Kreis Mnzingen damit beauftragt, Johann Knupfer zu vernehmen. Knupfer konnte sich an das Gesprch mit Lisa Oberhaus ber den Mord an Franziska Spiegel nicht erinnern.
Zitat: “Es ist nicht wahr, da ich mich der Oberhaus gegenber geuert habe, ich sei mit der Erschieung der Spiegel beauftragt worden. Hier mu ein Miverstndnis vorliegen”.
Der in Mnzingen ermittelnde Polizeibeamte vermerkte nach der Vernehmung:
“Ich habe von Knupfer whrend seiner Vernehmung nicht das Empfinden bekommen, da er evtl. die Wahrheit nicht sagen will.
Bei ihm handelt es sich um einen charaktervollen ehrlichen und wahrheitsliebenden Menschen, der bestimmt nicht zurckhalten wrde, wenn er zur Aufklrung des Mordes etwas beitragen knnte”.
Und auch der Hunnebrocker Ortsgruppenleiter Wilhelm Bscher wies alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zurck.
Er bestritt, sich Gottfried Spiegel gegenber abfllig ber dessen Frau und ber Juden allgemein geuert zu haben. Er habe Franziska Spiegel nicht gekannt und habe auch nicht gewusst, dass sie eine Jdin gewesen sei.
Der mit der Vernehmung Bschers beauftragte Bnder Polizeibeamte stellte daraufhin am 23. Mai 1948 fest:
Bscher widerlegt in seiner verantwortlichen Vernehmung die Verdachtsmomente gegen ihn “glaubwrdig”.
Das wegen Mordes an Franziska Spiegel angestrengte Ermittlungsverfahren wurde schlielich im Jahre 1949 von dem am Bielefelder Landgericht ttigen Staatsanwalt Werwarth ohne Ergebnis eingestellt. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft hatte mit der oberflchlichen Ttersuche ihre Pflicht erfllt - ohne irgendjemandem zu nahe zu kommen.
Im letzten Aktenstck, das vom 2. Juni 1949 datiert, heit es:
“Einstellung. Tter nicht ermittelt. ...besteht keine Mglichkeit mehr, die SS-Mnner, welche Frau Spiegel “abgeholt” haben, zu ermitteln”.
Rolf Spiegel ist der amerikanischen Armee beigetreten, kurz nachdem seine Mutter Franziska ermordet worden ist. Er wollte gegen die Nazis, gegen die Mrder seiner Mutter kmpfen.
(Ein anderes Foto, das Rolf in der Armee zeigt, gibt es nicht).
Archiv: Gnter Ellenberg
****************************************************************
Herrn Dr. Norbert Sahrhage (der sich u.a. als Historiker seit dem Jahre 1988 immer mal wieder mit dem Schicksal von Franziska Spiegel beschftigt) danke ich fr seine diversen Hinweise und die berlassung seiner Informationen, die das Hintergrundwissen um Franziska Spiegel und die damit zusammenhngenden zeitlichen Ereignisse enorm erweitert haben.
****************************************************************
1991 hat der Spenger Rat beschlossen, in Gedenken an die in Hcker Aschen ermordete Jdin sowohl den Weg zum Tatort nach ihr zu benennen, als auch einen Gedenkstein mit Bronzeplatte an der Stelle im Waldstck aufzustellen, an der sie ermordet wurde. Der Gedenkstein wurde an ihrem 46. Todestag im Rahmen einer kleinen Feier und im Beisein ihres Mannes enthllt.
Zu Ehren von Franziska Spiegel wurde eine Strae nach ihr benannt.
Foto: Gnter Ellenberg
Zu Ehren von Franziska Spiegel wurde in Bnde eine Strae nach ihr benannt.
Foto: Gnter Ellenberg
Der Gedenkstein fr Franziska Spiegel im Hckerholz in Hcker-Aschen
Forto: Gnter Ellenberg
Der Gedenkstein fr Franziska Spiegel im Hckerholz in Hcker-Aschen
Foto: Gnter Ellenberg
Der Gedenkstein fr Franziska Spiegel im Hckerholz in Hcker-Aschen
Foto: Gnter Ellenberg
FRANZISKA SPIEGEL
GEB. GOLDSCHMIDT, GEB. AM 06.05.1905 IN WERL, WURDE HIER
AM 04. November 1944 OPFER DER NATIONAL-
SOZIALISTISCHEN GEWALTHERRSCHAFT.
AUF DER FLUCHT VOR DEM TERROR EINES UNMENSCH-
LICHEN SYSTEMS HOFFTE SIE, IN DER GEMEINDE
WERFEN SICHERE ZUFLUCHT ZU FINDEN. ANGEHRIGE
DER SS VERFOLGTEN UND ERMORDETEN SIE, WEIL SIE
JDIN WAR. EIN MENSCHENWRDIGES BEGRBNIS
WURDE IHR VERWEIGERT. IHR TOD BLIEB UNGESHNT.
4. NOVEMBER 1991
STADT SPENGE
Jedes Jahr - am Volkstrauertag - organisieren die rtlichen Vereine von Hcker-Aschen eine Gedenkfeier fr Franziska Spiegel. Die Vereine laden zum Gottesdienst ein, im Anschlu daran erfolgt ein stilles Andenken am Franziska Spiegel Stein im Hckerholz. Jedes Jahr legt die Stadtverwaltung Spenge am Todestag von Franziska Spiegel (04. November) einen Kranz am Gedenkstein nieder.
Bericht des Spenger Amtsbrgermeisters Frentrup vom 05. November 1944 an die Gestapo in Bielefeld zu dem “Vorfall” vom 04. November 1944
"Am Sonnabend, dem 04. November 1944, gegen 18 Uhr, wurde ich vom Landrat des Kreises Herford, der zufllig dienstlich in Hcker-Aschen weilte, fernmndlich benachrichtigt, dass von 2 jungen Leuten im Hckerholz eine Frauensperson tot aufgefunden sei. Die jungen Leute htten festgestellt, dass der Krper noch warm sei.
Ich begab mich sofort mit dem Krankenwagen, einem Arzt und zwei Polizeibeamten an Ort und Stelle. Dort lag auf dem Waldwege eine Frauensperson vollstndig angekleidet auf dem Gesicht. Bei der inzwischen eingetretenen Dunkelheit konnte eine genaue Untersuchung des Tatortes nicht vorgenommen werden, ich stellte aber fest, dass der Tod bereits eingetreten war und auf dem Rcken der beiliegende Zettel mit der Aufschrift: "Sie war eine Jdin", angebracht war.
Die Leiche liess ich daraufhin durch herbeigeholte Ostarbeiter des Bauern D. aus Hcker fortschaffen. Ich habe sie in den Totenkeller des St. Martinstiftes berfhrt.
St. Martinsstift in Spenge.
Bei weiterer Untersuchung des Tatortes fand ich dort noch eine Handtasche. In dieser Handtasche befanden sich die Kennkarte der Toten, ihr Familienbuch, 73,- (RM) Bargeld und sonstige Kleinigkeiten.
Der Arzt Dr. med. N(.) aus Spenge stellte fest, dass der Tod durch einen Schuss unterhalb des Kinnes eingetreten war. Die sofort aufgenommenen Ermittlungen nach den Ttern ergaben, dass zwei Soldaten, kurz bevor die Leiche von dem Messer- und Sgenschleifer Friedrich M., Hffen Nr. 94, aufgefunden wurde, das Hckerholz in Richtung Werfen verlassen hatten.
Pflichtgemss teilte ich diesen Tatbestand der Ortspolizeibehrde Ennigloh mit und bat um Mitfahndung. Durch den Meister d. Sch. H(.) von der Ortspolizeibehrde des Amtes Ennigloh wurde mir dann fernmndlich mitgeteilt, dass am selben Nachmittag in der Wohnung der Jdin Franziska Sara Spiegel, geb. Goldschmidt, in Werfen Nr. 5, drei* SS-Mnner erschienen seien und die Jdin aufgefordert htten, sich fertig zu machen und mitzugehen.
Es ist anzunehmen, dass die Jdin von diesen im Hckerholz erschossen ist. Ehemann der Jdin ist der Kriegsbeschdigte Gottfried Heinrich Spiegel, wohnhaft in Werfen Nr. 5, im Kotten des Bauern Bscher. Nach dem vorgelegten Familienbuch ist der Ehemann Arier und ist am 24. Juli 1906 in Siegen geboren. Die Ehe mit der Jdin hat er am 08. November 1928 in Dortmund geschlossen. Aus der Ehe ist ein Kind hervorgegangen. Der Sohn ist jetzt etwa 14 Jahre alt.
Der Ehemann wurde heute hier vorstellig und erklrte, dass seine Ehefrau und sein Sohn vor etwa 6 Wochen bereits von der Polizei festgenommen und nach Bielefeld berfhrt worden seien. Nach 3 Tagen seien beide aber wieder von der Staatspolizeistelle in Bielefeld entlassen. Dies wird auf Grund des mit Verfgung des Landrats vom 19. September 1944 - L - mitgeteilten Funkspruches der Staatspolizeistelle - Aussenstelle Bielefeld - erfolgt sein. Abschrift dieses Berichts habe ich der Ortspolizeibehrde des Amtes Ennigloh bersandt.
gez. “Frentrup"
Quelle: “Bnde im Nationalsozialismus”.
Ein Quellenverzeichnis prsentiert vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Bnde.
Jan Jakubczak
Jan Jakubczak als junger Mann. Dieses Foto hat er an Herrn Norbert Sahrhage geschickt, als beide brieflichen Kontakt hatten.
© Jan Jakubczak
Jan Jakubczak:
geboren am 26.09.1924 / verstorben am 01.12.2008 in Gostyń / Polen
In der Zeitschrift “gazeta gostynska” seiner polnischen Heimatstadt Gostyń wurden die Erlebnisse von Herrn Jan Jakubczak im Jahre 2004 verffentlicht.
Das Grab von Jan und Wiktoria Jakubczak in seiner Heimatstadt Gostyń; auf dem Pfarrfriedhof.
Foto: Janka Bart
© Billion Graves
In: Heimatkundliche Beitrge aus dem Kreis Herford, Nr. 47, Dez. 2003, S. [3] ; 2 Abb. Erschieung der Jdin Franziska Spiegel am 04. November 1944 durch SS-Mnner in einem Wldchen auf dem Gebiet von Hcker-Aschen.
Nachstehend der ganze Wortlaut:
Jan Jakubczak aus Polen meldet sich nach 59 Jahren
Zeuge eines kaltbltigen Mordes
Von Dr. Norbert Sahrhage
Der Mord an der Jdin Franziska Spiegel zhlt ohne Zweifel mit zu den schrecklichsten Geschehnissen in der Region whrend der Zeit des "Dritten Reiches".
Franziska Spiegel war im Jahre 1943, als die Deportation der Bnder Juden bereits abgeschlossen war, zusammen mit ihrem arischen“ Ehemann und dem gemeinsamen Sohn Rolf in einen Kotten des Bauern Bscher nach Werfen gezogen. Sie hoffte hier in der Abgeschiedenheit der lndlichen Gemeinde die Zeit der Verfolgung berleben zu knnen. Leider ein Irrtum: Franziska Spiegel wurde am 4. November 1944 von zwei SS-Mnnern aus ihrer Wohnung geholt und im nahegelegenen Hckerholz erschossen. Die Tter konnten weder unmittelbar nach dem Ende des "Dritten Reiches" noch bei einem erneuten Versuch der Staatsanwaltschaft Anfang der 1990er Jahre ermittelt werden; die Tat blieb bis heute ungeshnt.
Vor einigen Monaten meldete sich der 79-jhrige Jan Jakubczak aus Gostyń/Polen bei der Stadt Bnde. Er war Zeuge des gemeinen Mordes. Nach mehreren Briefen, in denen der Kontakt vertieft wurde, besprach der ehemalige Zwangsarbeiter in seiner Heimatstadt ein Tonband, auf dem er ber seine Erfahrungen in der Gemeinde Werfen whrend des Zweiten Weltkrieges und ber den kaltbltigen Mord an Franziska Spiegel berichtet.
Nach der Besetzung Polens durch die deutsche Wehrmacht wurde der fnfzehnjhrige Jan Jakubczak aus Gostyń als Zwangsarbeiter nach Deutschland gebracht. Wegen der zur Wehrmacht eingezogenen deutschen Mnner bentigte das Deutsche Reich zahlreiche Arbeitskrfte, die man gegen ihren Willen aus ihren Heimatlndern holte. Die Behandlung der Zwangsarbeiter war sehr unterschiedlich. Am besten trafen es diejenigen, die in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Zu diesem Personenkreis gehrte auch der am 26.9.1924 geborene Jan Jakubczak.
Nach einer zweitgigen Eisenbahnfahrt in einem Personenzug kam der junge Pole am 29. April 1940 abends um 23.00 Uhr gemeinsam mit anderen Zwangsarbeitern auf dem Bnder Bahnhof an, wo bereits mehrere Bauern warteten, um die bentigten Arbeitskrfte auszusuchen. Jan Jakubczak berichtet: Ich kam zu dem Bauern Werner Klaus in Werfen Nr. 9. Das war ein guter Mann. Obwohl ich am ersten Morgen verschlafen hatte, wurde ich nicht geweckt. Herr Klaus hat mir dann seinen Hof gezeigt. Ich bekam ein eigenes Zimmer im Haus, oben unter dem Dach, und ich durfte gemeinsam mit der Familie essen, obwohl es offiziell verboten war, dass Bauern und Zwangsarbeiter gemeinsam die Mahlzeiten einnahmen.“ Der junge Zwangsarbeiter konnte den Kontakt zu seinen Eltern in Polen durch einen intensiven Briefwechsel aufrecht erhalten. Jan Jakubczak wei noch genau, dass er seine Briefe immer dem einarmigen Dorfbrieftrger mitgeben konnte.
Weder seine Briefe noch die Antwortbriefe seiner Eltern seien zensiert worden.
Der ehemalige Zwangsarbeiter erinnert sich, dass bei der Familie Klaus ber Politik nicht gesprochen wurde. Die Zwangsarbeiter durften sich abends nach getaner Arbeit bis 20.00 Uhr (Sperrstunde) frei im Dorf bewegen. Der junge Pole lernte dabei seine sptere Ehefrau Wiktoria Gasior kennen, die auch aus Polen stammte und als Zwangsarbeiterin bei dem Bauern Heinich Bscher, Werfen Nr. 5, lebte.
In unmittelbarer Nhe des Hofes Klaus lag der kleine Kotten, in dem seit 1943 die Familie Spiegel wohnte. Whrend Franziska Spiegel sehr zurckgezogen lebte, kam ihr dreizehnjhriger Sohn Rolf hufig auf den Hof Klaus, um sich mit dem polnischen Zwangsarbeiter zu unterhalten. Zwischen beiden entwickelte sich ein freundschaftliches Verhltnis. Jan Jakubczak erinnert sich schmunzelnd: Rolf war ein guter Junge, er hat hufig gefragt, was denn in Polen anders sei als in Deutschland, da habe ich ihm vorgeschwindelt, in Polen wrde die Straenbahn von Pferden gezogen. Da hat er sehr gestaunt.“
Am 4. November 1944 befand sich der junge Zwangsarbeiter auf einem Feld in der Nhe des Hofes. Dabei sah er, dass Franziska Spiegel von mehreren SS-Leuten ber einen Feldweg weggefhrt wurde. Als die Gruppe an dem polnischen Zwangsarbeiter vorbeikam, sah Jan Jakubczak, dass Franziska Spiegel weinte. Einer der SS-Mnner kam auf ihn zu und fragte ihn, ob er einen Spaten habe. Der junge Pole verneinte, er wurde dann gefragt, welcher Nationalitt er sei. Als Jan Jakubczak antwortete, er sei aus Polen, wurde ihm in barschem Ton erklrt, er mge die Schnauze halten“, sonst werde er das Schicksal der Jdin teilen. Die Gruppe ging dann weiter. Kurze Zeit spter hrte Jan Jakubczak einen Schuss.
Die SS-Mnner hatten Franziska Spiegel in ein nahegelegenes Wldchen gefhrt, das bereits auf dem Gebiet der Gemeinde Hcker-Aschen lag. Hier hatte einer der Mnner Franziska Spiegel durch einen Schuss in den Hals gettet.
Am Nachmittag des nchsten Tages musste der junge Pole auf Anweisung seiner Buerin Gottfried Spiegel, den Ehemann der Ermordeten, mit einem Pferdewagen nach Spenge fahren, wo die beiden die Leiche Franziska Spiegels aus dem Martinsstift abholten. Die Kriminalpolizei hatte sie vom Tatort dorthin gebracht. Jan Jakubczak erinnert sich: Ich hatte Angst mit nach Spenge zu fahren, weil ich die Drohung des SS-Mannes noch im Ohr hatte.“ Auf dem Pferdewagen befand sich auch ein leerer Sarg, der von einem Schreinermeister aus Bnde-Ennigloh angefertigt worden war. Auf dem Weg nach Spenge hielten die beiden am Tatort im Hckerholz an. Jan Jakubczak erinnert sich daran, dass sich Gottfried Spiegel hier auf den Boden warf und weinte. An einer Stelle des Waldbodens waren noch Blutflecken zu sehen. In der Nhe des Tatortes fanden sie auch Papiere, die die Ermordete bei sich gefhrt hatte.
In Spenge legten sie die Ermordete in den mitgebrachten Sarg und fuhren dann nach Werfen zurck. Da Gottfried Spiegel mitgeteilt worden war, dass seine Frau weder auf dem Spenger Friedhof noch auf dem Friedhof in Hunnebrock beerdigt werden durfte, wollte er den Leichnam seiner Frau in dem Waldstck, in dem auch der Mord geschehen war, bestatten. Jan Jakubczak berichtet: Ich brachte ihn aber davon ab, weil die Erde zu hart und die Baumwurzeln hinderlich gewesen wren. Daraufhin haben wir den Leichnam in derselben Nacht am Rande einer Weide, die dem Bauern Claus gehrte, begraben. Am nchsten Morgen bin ich unter dem Vorwand, den Weidezaun zu reparieren, noch einmal auf diese Weide gegangen und habe alle Spuren der nchtlichen Aktion verwischt.“
Der Mord an Franziska Spiegel war nicht nur in der Familie Klaus ein Tabuthema. Auch im Dorfe wurde - soweit der junge Zwangsarbeiter das mitbekam - ber den Mord in der ffentlichkeit nicht gesprochen.
Nach Kriegsende blieb Jan Jakubczak noch einige Zeit in Werfen. Er und die polnische Zwangsarbeiterin Wiktoria vom Hof des Heinrich Bscher wurden in der Kreisstadt Herford von einem katholischen Militrgeistlichen getraut. Das junge Ehepaar und andere Zwangsarbeiter wurden dann etwas spter von den Amerikanern zurck nach Stettin transportiert.
Bei seiner Rckkehr nach Polen nach mehr als fnf Jahren erfuhr Jan Jakubczak, der eine deutschstmmige Mutter mit dem Familiennamen Biedermann besa, dass von seinem Vater das Ansinnen der deutschen Besatzungsmacht auf Eintragung der Familie in die deutsche Volkstumsliste abgelehnt worden war, weil er - wohl zu Recht - befrchtet hatte, dass sein Sohn nach der Eindeutschung dann sofort zur Wehrmacht eingezogen worden wre.
Jan Jakubczak betont mehrere Male, dass er von der Familie Klaus sehr gut behandelt worden sei, die Familie habe ihm sogar Zigarren zugesteckt und man habe z.B. auch die Weihnachtsfeste gemeinsam gefeiert. Er sei dabei auch immer mit Geschenken bedacht worden. Jan Jakubczak erinnert sich auch noch daran, dass er einmal eine Zirkusvorstellung besuchen durfte, als ein Zirkus in Werfen gastierte.
Obwohl ihn seine Erlebnisse in der Gemeinde Werfen nie losgelassen haben, konnte sich Jan Jakubczak zu diesen Geschehnissen erst ffentlich uern, nachdem seine Frau gestorben war: Sie hatte den Mord an Franziska Spiegel ebenfalls miterlebt und hielt es fr ratsam, darber nicht mehr zu reden.“ Jan Jakubczak nahm deshalb erst nach dem Tode seiner Frau Kontakt zur Stadt Bnde auf: Im Alter hat mich der Mord an Franziska Spiegel immer mehr beschftigt. Ich habe dann gedacht: 'Wenn der liebe Gott es mir ermglicht, muss ich davon erzhlen.'“
Nach dem Krieg wurde der in aller Heimlichkeit bestattete Leichnam Franziska Spiegels exhumiert. Die Ermordete fand dann auf einem Friedhof in Minden ihre letzte Ruhe. Ein auf Betreiben Gottfried Spiegels gegen die Mrder seiner Frau angestrengtes Ermittlungsverfahren wurde im Jahre 1948 von der Staatsanwaltschaft des Bielefelder Landgerichts ohne Ergebnis eingestellt.
Am 04.11.1991 hat die Stadt Spenge im Rahmen einer Gedenkfeier der ermordeten Franziska Spiegel gedacht.
Ihr frherer Ehemann, Herr Gottfried Spiegel, ist anlsslich dieser Gedenkfeier zum ersten Mal seit der Ermordung seiner Frau wieder in Spenge gewesen. Ebenfalls anwesend war seine jetzige zweite Frau Margarete (Gretel) Spiegel.
- Herr Gottfried Spiegel ist 1993 im Alter von 87 Jahren verstorben.
- Frau Margarete Spiegel ist 2000 im Alter von 80 Jahren verstorben.
Frau Margarete (Gretel) Spiegel hat sich in einem sehr persnlichen Schreiben fr die sensible Aufarbeitung und Wrdigung des Schicksals von Franziska Spiegel bedankt.
Nachstehend der Originalwortlaut des Briefes vom 29.08.1994 an den damaligen Stadtdirektor der Stadt Spenge, Gnter Hemminghaus:
************************************************************
Sehr geehrter, lieber Herr Hemminghaus,
Sie wissen, da ich umgezogen bin. In der neuen Wohnung fhle ich mich sehr wohl, ich vermisse aber sehr meinen Mann, der mir stets ein sehr zuverlssiger Partner gewesen ist. Ihnen und Ihrer Frau mchte ich noch einmal fr die mitfhlenden Worte, die Sie mir anllich seines Todes gesagt haben, danken. Die Freundschaft mit Ihnen, Herr Hemminghaus, der Sie den Ansto fr die Erinnerung an Franziska Spiegel gegeben hatten, hat meinem Mann viel bedeutet.
Auch ich mchte Ihnen und Ihrem Kulturausschu herzlich fr die sensible Aufarbeitung des Schicksals von Franziska Spiegel danken. Die Feierstunde in der Aula Ihrer Schule am 04.11.1991 und die Kranzniederlegung am Ehrenstein von Franziska Spiegel haben meinen Mann und mich, ebenso wie seine Kinder, sehr beeindruckt. Die Stadt Spenge hat sich damit selbst ein Denkmal gesetzt.
Bleibt zu hoffen, da, wie Sie in Ihrer Ansprache gesagt haben, “das Geschehene nicht der Vergangenheit anheimfllt” und ein Bogen geschlagen wurde “in unsere Gegenwart zu Erscheinungen wie Neonazismus, Rassismus, Auslnderfeindlichkeit.
Wir alle sind verpflichtet, dabei zu helfen, da sich das, was Franziska Spiegel angetan worden ist, nicht noch einmal wiederholt.
Bitte, richten Sie allen Menschen, die mit dabei geholfen haben, den Erinnerungen an Franziska Spiegel eine Zukunft zu geben, meine Gre aus.
Ihre
Gretel Spiegel
Kurzfilm "Franziska Spiegel - Eine Erinnerung"
Den folgenden Film verdanken wir Florian Anders (frherer Wohnort war Spenge).
Florian Anders
Ein paar Informationen ber den Spengeraner Florian Anders finden Sie hier:
Film ber Franziska Spiegel
28.08.1990. Das Ehepaar Hemminghaus zu Besuch bei den Eheleuten Spiegel in Siegen.
Archiv: Gnter Ellenberg
03.11.1990: Das Ehepaar Spiegel mit dem Ehepaar Hemminghaus in Spenge.
Archiv: Gnter Ellenberg
03.11.1990: Das Ehepaar Spiegel mit Gnter Hemminghaus, Dieter Meyer, Jrgen Strachau im Rathaus in Spenge.
Archiv: Gnter Ellenberg
04.11.1990:
Ein kleiner Blumenstrau im Hckerholz - Erinnerung, Ausdruck von Trauer und Schmerz und Mahnung zugleich in einer Zeit, in der rassistisches Gedankengut keineswegs ausgerottet ist. Gottfried Spiegel nach 46 Jahren an der Stelle, an der seine damalige Frau Franziska Spiegel erschossen worden ist.
04.11.1990: Gottfried Spiegel mit seiner 2. Ehefrau Margarete (Gretel) Spiegel und dem damaligen Stadtdirektor von Spenge, Gnter Hemminghaus.
Begrung und Ansprache von Brgermeister Karl-Heinz Wiegelmann
anllich der Feierstunde am 04.11.1991.
Den Text finden Sie hier:
Ansprache von Stadtdirektor Gnter Hemminhaus
anllich der Feierstunde am 04.11.1991.
Den Text finden Sie hier:
Ansprache von Herrn Dr. Norbert Sahrhage
anllich der Feierstunde am 04.11.1991
Den Text finden Sie hier:
Ansprache von Landesrabbiner Dov-Levi Barsilay
anllich der Feierstunde am 04.11.1991
Den Text finden Sie hier:
Alle Fotos Archiv: Gnter Ellenberg
Rolf Spiegel wanderte 1958 nach Australien aus, nachdem er zuvor einige Zeit in Afrika gearbeitet hatte. In Deutschland, dem Land, in dem die Mrder seiner Mutter unbehelligt geblieben waren, mochte er nicht mehr leben.
Nach seinem Tod im Jahre 2001 fand er auf dem Friedhof “Smithfield Memorial Park” in Adelaide, Australien, seine letzte Ruhesttte.
Er hinterlsst zwei Shne (Peter und Ralph-Donald), die in Australien leben.
Erika Spiegel (gebrtig aus Lhne/Westf.), die 1. Ehefrau von Rolf Spiegel, lebt nach wie vor in Australien (Stand: 11/2019).
bersicht ber den Friedhof. Unten im Foto die Grabplatte von Rolf Gottfried Spiegel.
© Smithfield Memorial Park Adelaide, Australien.
bersicht ber den Friedhof
© Smithfield Memorial Park Adelaide, Australien
Rolf Gottfried Spiegel (Sohn von Franziska und Gottfried Spiegel) ist am 12.08.2001 in Adelaide, Australien, gestorben und hier beigesetzt worden.
© Smithfield Memorial Park Adelaide, Australien
Carmelita Spiegel
Carmelita Spiegel (zweite Ehefrau von Rolf Gottfried Spiegel) ist am 13.06.2009 in Adelaide, Australien, gestorben und hier beigesetzt worden.
© Smithfield Memorial Park Adelaide, Australien
Stolpersteine
“Ein Kunstprojekt fr Europa” heit ein Projekt des Knstlers Gunter Demnich, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Diese quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten sind mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet. Sie werden meist vor den letzten frei gewhlten Wohnhusern der NS-Opfer in das Pflaster bzw. den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen. Mittlerweile gibt es ber 56.000 Steine (Stand: Dezember 2015) nicht nur in Deutschland, sondern auch in 19 weiteren europischen Lndern.
Die Stolpersteine sind das grte dezentrale Mahnmal der Welt.
Der Knstler Gunter Demnich beim Verlegen der Stolpersteine fr Franziska, Gottfried und Rolf Spiegel auf dem Gehweg vor dem ehemaligen Wohnhaus in der Lenastr. in Bnde.
Stolpersteine fr Franziska, Gottfried und Rolf Spiegel auf dem Gehweg
vor dem ehemaligen Wohnhaus in der Lenastr. in Bnde.
Foto: Gnter Ellenberg
Frau Christa Glsker ist eine der ganz wenigen noch lebenden Zeitzeugen im Zusammenhang mit der Familie Spiegel. Christa Glsker hat damals (und auch heute noch) auf dem gleichen Grundstck gewohnt wie die Eheleute Spiegel. Sie waren Nachbarn. Frau Glsker hat die Familie gekannt und Kontakt zu den Spiegels gehabt.
Foto: Gnter Ellenberg
Januar 2017. Der Enkelsohn von Franziska Spiegel (Peter Spiegel) im stillen Gedenken an seine Oma. Peter Spiegel lebt in Australien und hat sich bei seinem Besuch in Deutschland den Tatort angesehen.
Foto: Gnter Ellenberg
Januar 2017. Der Enkelsohn von Franziska Spiegel (Peter Spiegel) im stillen Gedenken an seine Oma. Peter Spiegel lebt in Australien und hat sich bei seinem Besuch in Deutschland den Tatort angesehen.
Foto: Gnter Ellenberg
Franziska Spiegel Weg in Hcker-Aschen.
Foto: Gnter Ellenberg
Januar 2017. Der Enkelsohn von Franziska Spiegel (Peter Spiegel) lebt in Australien und hat sich bei seinem Besuch in Deutschland verschiedene Orte des Gedenkens angesehen.
Foto: Gnter Ellenberg
Januar 2017. Der Enkelsohn von Franziska Spiegel (Peter Spiegel) lebt in Australien und hat sich bei seinem Besuch in Deutschland verschiedene Orte des Gedenkens angesehen.
Foto: Gnter Ellenberg
Volkstrauertag am 19.11.2017 am Gedenkstein von Franziska Spiegel.
Foto: Gnter Ellenberg
Volkstrauertag am 19.11.2017 am Gedenkstein von Franziska Spiegel.
Foto: Gnter Ellenberg
Volkstrauertag am 19.11.2017 am Gedenkstein von Franziska Spiegel.
Foto: Gnter Ellenberg
Volkstrauertag am 19.11.2017 am Gedenkstein von Franziska Spiegel.
Foto: Gnter Ellenberg
Volkstrauertag am 19.11.2017 am Gedenkstein von Franziska Spiegel.
Foto: Gnter Ellenberg
Volkstrauertag am 19.11.2017 am Gedenkstein von Franziska Spiegel.
Foto: Gnter Ellenberg
Volkstrauertag am 19.11.2017 am Gedenkstein von Franziska Spiegel.
Foto: Gnter Ellenberg
Die Andacht an Franziska Spiegel findet jhrlich am Volktrauertag am Gedenkstein statt.
In Gedenken an Franziska Spiegel
Foto: M. Patock
Gesamtschule bernimmt Patenschaft
Spenge (mac). Die Regenbogen-Gesamtschule wird vom kommenden Schuljahr an die Patenschaft fr die Franziska-Spiegel-Gedenksttte im Hcker Holz bernehmen. Das kndigte Schulleiter Hartmut Duffert jetzt im Kulturausschuss an. Wir mchten gegen das Vergessen anarbeiten.“
Die Jdin Franziska Spiegel, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einem Kotten in Bnde-Werfen lebte, ist im November 1944 von SS-Schergen verhaftet, ins Hcker Holz nach Spenge getrieben und erschossen worden. Seit Anfang der 1990er Jahre erinnert dort ein Gedenkstein an ihr grausames Schicksal.
Im Fach Gesellschaftslehre - in der Unterrichtseinheit Nationalsozialismus - wrden die Jahrgnge 9 und 10 knftig auch ber Franziska Spiegel sprechen, sagte Duffert. Das wird Bestandteil des Schulprogramms sein.“
Auerdem werde es einmal jhrlich eine Veranstaltung an der Gedenksttte im Hcker Holz geben. Wie eine solche Veranstaltung aussehen knnte, mag die Schulleitung nicht vorgeben. Das mchten wir bewusst in Hnden der entsprechenden Projektgruppen belassen.“
Die Patenschaft der Gesamtschule sei ein wichtiger Schritt“, damit das Schicksal der Franziska Spiegel nicht in Vergessenheit gerate, sagte Lars Hartwig (CDU).
Auch Annegret Beckmann von der SPD dankte der Gesamtschule fr ihr Engagement. In einigen Stdten beobachten wir ein Wiedererstarken rechter Tendenzen“, sagte sie. Wir mssen darum wach bleiben.“
Und es sei wichtig, schon die junge Generation darber aufzuklren, wie grausam die Herrschaft der Nationalsozialisten gewesen sei.
© Westfalen-Blatt
Am 12.10.2019 fand eine Gedchtnisveranstaltung fr Franziska Spiegel statt, bei der die Teilnehmer den “letzten Weg” der Franziska Spiegel von ihrem Wohnhaus bis zum Tatort gegangen sind.
Bei den “Stolpersteinen” fr Franziska, Gottfried und Rolf Spiegel auf dem Gehweg vor dem ehemaligen Wohnhaus in der Lenastr. in Bnde hat Herr Dr. Sarhage als Einleitung die Geschichte, den Hintergrund und das Schicksal der Familie Spiegel dargestellt.
Foto: Gnter Ellenberg
Auf dem “letzten Weg” der Franziska Spiegel von ihrem Wohnhaus bis zur Stelle ihrer Ermordung.
Foto: Gnter Ellenberg
Auf dem “letzten Weg” der Franziska Spiegel von ihrem Wohnhaus bis zur Stelle ihrer Ermordung.
Foto: Gnter Ellenberg
Ein Blick zurck: Auf dem “letzten Weg” der Franziska Spiegel von ihrem Wohnhaus bis zur Stelle ihrer Ermordung. Im Hintergrund in den Bumen stand das Haus der Fam. Spiegel.
Foto: Gnter Ellenberg
Auf dem “letzten Weg” der Franziska Spiegel von ihrem Wohnhaus bis zur Stelle ihrer Ermordung.
An dieser Stelle wurde der eigentliche “letzte Weg” verlassen, um zum damals vorlufigen Bestattungort zu gelangen. Er befindet sich nur ca. 100 m neben dem Hauptweg.
Foto: Gnter Ellenberg
Unter diesen Bumen wurde Franziska Spiegel in einer “Nacht und Nebel Aktion” heimlich von ihrem Ehemann Gottfried und einem Helfer bestattet.
Foto: Gnter Ellenberg
Unter diesen Bumen wurde Franziska Spiegel in einer “Nacht und Neben Aktion” heimlich von ihrem Ehemann Gottfried und einem Helfer bestattet.
Foto: Gnter Ellenberg
Am Gedenkstein von Franziska Spiegel (in diesem Bereich hat auch der Mord stattgefunden) endete die Veranstaltung.
Foto: Gnter Ellenberg


Hcker-Aschen




Startseite
Allgemeines
800-Jahr-Feier-1951
850-Jahr-Feier-2001
Angelverein
Auswanderung
Bevlkerung / Einwohner
Dorfansichten
Dorffest 2018
Dorf-Grand-Slam
Dorfplatz-Schlag-10
Feuerwehr
Franziska Spiegel
Geschichte
Heimatverein
Historische Zahlen / Fakten
Hcker Moor (und mehr)
Kameradschaftlicher Verein
Kapelle Gro-Aschen
Kirchen-Friedhof
Kirchengemeinde
Kirchengruppen
Kirchen-Pastore
lvorkommen
Plattdeutsche Sprache
Politik
Sattelmeierhof
Schachgemeinschaft
Schiffsmodellfreunde
Schule
Sportverein
Wasserburg Aschen
Wassermhle Klein-Aschen
Weltkrieg
Windmhle
Windmhlensiedlung
Zoll-Dienststelle
links
Impressum
derzeit nicht aktiv:
Sparclub
Trachten- und Tanzgruppe
Mnnergesangverein
nderungen:
08.07.2022
Schachgemeinschaft ergnzt
© 2014-2023